[Geplaudert mit…] Jasmin Jülicher über „Wie veröffentliche ich ein Buch?“

[Geplaudert mit…] Jasmin Jülicher über „Wie veröffentliche ich ein Buch?“

17. August 2017 7 Von Vanessa

ich habe mal wieder geplaudert und dieses Mal ganz persönlich an einem besonderem Ort!
Es war ein Freitagnachmittag vor ein paar Wochen als ich mich mit der Autorin Jasmin Jülicher in Essen im Unperfekthaus traf. Wir waren beide noch nie dort und haben uns deswegen erstmal alles erklären lassen.
Das Besondere an dieser Location: es ist ein Künstlerhaus, Ateliers und Kunst an jeder Ecke, zwischen drin (bzw. in der 1. Etage) ein Restaurant und der Eintrittspreis ist quasi eine Getränke-Flatrate.
Nach der Erklärung sind wir schließlich auf der Dachterrasse gelandet und haben uns dort über Jasmins Buch Der Hüter – Stadt der Tiefe – welches seit dem 6.8.17 als ebook bei BoD erhältlich ist, und das Crowdfunding für den Buchdruck des Softcovers unterhalten.

Aber fangen wir erstmal damit an, wer Jasmin Jülicher überhaupt ist, den genauso wie euch vermutlich, sagte mir ihr Name bei ihrer Anfrage nichts. Jasmin ist 27 Jahre alt und wohnt ziemlich nah an der niederländischen Grenze und hatte dadurch

©Jasmin Jülicher

Niederländisch in der Schule. (Ja, dadurch gewinnt man bei mir erstmal einiges an Symphatiepunkten 😅) Sie studierte Biowissenschaften in Düsseldorf (Bachelor) und Köln (Master) mit dem Schwerpunkt auf Toxikologie und möchte gerne noch ihren Doktor machen und in der Forschung arbeiten. Aber erstmal kam ihr für diesen Schritt der Roman in die ‚Queere‘.
Jasmin hat früher viele Krimis, Thriller gelesen und ist dann zu Horror ‚gewechselt‘. Ihr Lieblingsverlag ist der Festa-Verlag, wo sie auch das Abo hat. Zwischendurch liest sie aber auch gerne Jugendbücher, die dann aber nicht so Klischee behaftet sein sollten. Außerdem spielt sie sehr gerne Bioshock und hat auch einige Sammelfiguren aus dem Spiel bei sich zu Hause, verriet sie mir.

Zum Schreiben kam sie durch ein Krimiseminar, welches an ihrer Uni angeboten worden ist. „Was machste jetzt?“, fragte sie sich, als sie zu viel Zeit in einem Semester hatte. „Krimi magste, ok gehste mal hin, hörste dir an,“ dachte sie sich und ging hin, erzählte sie mir in unserem Gespräch. Dann stellte sich aber heraus, dass es Teil des Seminares ist, selbst einen Krimi zu verfassen. „Das wollte ich doch gar nicht!“, waren ihre Gedanken – gemacht hat sie es aber trotzdem und beim zweiten Besuch des Seminars fing sie mit Die Hüter – Stadt in der Tiefe an. 

Cover ©Hannah Böving

Beim ersten Besuch des Seminars, schrieb sie einen ganz normalen Krimi mit den üblichen Klischees die es da so gibt. Beim zweiten Mal wollte sie aber was anderes schreiben, denn eigentlich nerven sie die klischeebehafteten Ermittler in Krimis, sagte sie mir. Schließlich träumte Jasmin die Stadt, die nun Dreh- und Angelpunkt in Der Hüter ist und Biota heißt. Es ist eine Stadt am Meeresboden und das gesamte Setting des Romans ist an den Steampunk angeleht. Für dieses geträumte Setting brauchte Jasmin dann eine Geschichte und da sie eben ein Krimiseminar besuchte, wurde es ein Krimi. Der Ermittler ist in Jasmins Roman aber eben nicht problembehaftet und hat keine dramatische Hintergrundgeschichte – oder wenn wüsste er es nicht, denn die Menschen in Biota haben keine Erinnerungen mehr an das Leben über Wasser. 

Neben dem Protagonisten Alexander, gibt es auch eine Protagonistin Nic, wobei Alexander die großere Rolle spielt. Das Schreiben aus der männlichen Sicht fällt Jasmin nämlich einfacher, erzählte sie mir, verriet mir aber auch, dass Nic zu etwas 60% ihr selbst ähnelt, nicht zuletzt, weil Nic eben auch Biologin ist. Beim Schreiben haben sich die Charaktere logischer Weise verändert. Jasmin lies sich aber eher von ihnen leiten, als das sich diese verselbstständigten, wie man es ja ab und an von anderen Autoren hört.

Die Geschichte rund um Biota und Alexander ist bisher auf vier Bände angelegt, dabei liegt Band zwei schon fertig in der Schublade und Band drei ist halbfertig, berichtete Jasmin mir.

Nachdem der Roman fertig geschrieben war, stellte Jasmin fest, dass Schreiben gar nicht das Schwierigste ist. Sie begann nämlich einen Verlag zu suchen. Von 55 Anfragen erhielt sie 15 Antworten und schließlich 3 Zusagen. Der Verlag, bei dem sie schließlich unterschrieb, stellte sich allerdings als Flop heraus und der Vertrag wurde aufgelöst. Also blieb ihr nur das Selfpublishing. Das war im August 2016. Sie suchte sich zuerst ein professionelles Lektorat. Auch das, erzählte sie, war gar nicht so einfach, weil das Lektorat kein geschützter Beruf ist, genauso wie der des Autors. Schließlich entschied sie sich für Ka&Jott, die beiden Lektorinnen fragten nämlich nach dem Exposé des Romans bevor sie mit einem Probelektorat loslegten, und es passte einfach. „Ich lasse lieber Profis ans Werk“, erläuterte Jasmin. Gleiches galt auch fürs Coverdesign. Hierfür fand Jasmin schließlich Hannah Böving auf der Kitty Convention im Programmheft. Die Zusammenarbeit war richtig gut, erzählte Jasmin, denn sie hatte gar keine konkreten Vorstellungen vom Cover, nur das es ‚computerspielmäßig‘ und von der Farbgebung, wie bei Bioshock sein könnte.

Nachdem das Lektorat fertig war und auch das Cover stand, stellte sich mal wieder die Frage „Was nun?“. Das Lektorat half Jasmin dabei. Zunächst wollte sie bei Books on Demand veröffentlichen, da gab es ihr aber zu wenig Auswahl für den Druck des Sofcovers, deswegen ist über BoD nur das ebook erhältlich.
Das Kniffelige am Selbstdruckenlassen ist der Vertrieb, erzählte Jasmin. Den man kann sein Buch nicht einfach selbst listen lassen, damit es Buchhandlungen bestellen können. Sie fand aber schließlich den einzigen Vertrieb in Deutschland, der selbstgedruckte Bücher listet und versendet. Für den Druck fand Jasmin eine Druckerei in Polen, die die Bücher in den Farben und Prägungen drucken kann, wie sie sich das vorstellt. Für diesen letzten Schritt des Drucken startete Jasmin dann eine Crowdfundingkampagne auf visionbakery, worüber sie die Druckkosten auch erfolgreich finanzieren konnte. Sie entschied sich für diese Variante, da es quasi eine Vorbestellung des Romans ist und das Risiko wurde minimiert. Außerdem konnte Jasmin dadurch gucken, wie das Interesse an ihrem Buch ist. Das Crowdfundingziel wurde mehr als erfüllt und das ‚mehr‘ investiert Jasmin in die Versandverpackung und ein kleines Extra dafür. Außerdem werden die Bücher mit einem Reliefdruck statt Tiefdruckverfahren und auf besserem Papier gedruckt.

Ich fragte sie später noch per Mail, was das Schwierigste und was das Einfachste bei dem ganzen Selfpublishingprozess war:

Das Schwierigste war es, ganz alleine Entscheidungen zu fällen. Eigentlich ist die Freiheit ja schön, man kann tun und lassen, was man möchte, aber letztendlich bleibt eben alles an einem selbst hängen. Man kann nicht jemand anderen einfach sagen „Entscheide du das“. Alles macht man selbst und vor allem bei der Namensgebung habe ich mich unglaublich schwer getan. Ich hatte eine Liste, auf der bestimmt dreißig Namensvorschläge standen und ich war einfach unfähig, mich zu entscheiden.

Das Einfachste war rückblickend betrachtet wirklich das Schreiben des Romans. Das braucht zwar Zeit, aber alles, was danach kam, war sehr viel komplizierter und nervenaufreibender als das Schreiben selbst.

Wenn das Buch nun auch bald in gedruckter Form erhältlich ist und Jasmin es dann auch endlich in Händen halten kann, wird sie vermutlich mit ihrer Familie und Freund Essen gehen.

Es war ein sehr schöner Nachmittag mit Jasmin Jülicher und wir haben uns über soviel mehr unterhalten. Sie ist eine sehr sypathische, fröhliche Person und es hat mich sehr gefreut, sie persönlich treffen zu können!

Ich hoffe das Gespräch mit ihr war auch für euch interessant und ihr schaut euch mal ihr Buch an. Wie mir Der Hüter – Die Stadt der Tiefe gefallen hat, werdet ihr auch bald erfahren und eventuell habt ihr auch darüber hinaus nicht das letzte Mal von Jasmin Jülicher und ihrem Roman hier auf dem Blog gehört. 😉